Sturzprävention

Stolperfallen im Haushalt

Die häufigsten Gefahrenquellen erkennen — und beseitigen.

IR

IFBA Redaktion

17. März 2026 · 6 Min. Lesezeit

Frau Weber wollte nur kurz in die Küche. Der Weg dorthin führte wie jeden Morgen am Teppichläufer im Flur vorbei. Diesmal blieb sie mit der Hausschuhsohle am hochstehenden Rand hängen. Ein Stolperer, ein Sturz, ein Oberschenkelhalsbruch. Drei Monate Krankenhaus und Reha folgten.

Kein Einzelfall. Jedes Jahr stürzen rund 2,8 Millionen Menschen über 65 in Deutschland — die meisten davon im eigenen Zuhause. Nicht auf der Straße, nicht im Treppenhaus. Sondern dort, wo sie sich am sichersten fühlen.

Warum das eigene Zuhause so gefährlich ist

Die Erklärung ist einfach: Gewohnheit macht blind. Wer seit 20 Jahren über denselben Teppich geht, sieht ihn irgendwann nicht mehr als Risiko. Dazu kommen veränderte körperliche Voraussetzungen. Die Muskelkraft lässt nach. Das Gleichgewicht wird unsicherer. Die Augen brauchen länger, um sich an wechselnde Lichtverhältnisse anzupassen.

Das Ergebnis: Situationen, die mit 50 kein Problem waren, werden mit 75 zur echten Gefahr. Und die Folgen sind oft gravierend. Etwa 30 Prozent der gestürzten Senioren erleiden Knochenbrüche. Viele verlieren danach dauerhaft an Selbstständigkeit.

Die 6 häufigsten Stolperfallen — und wo sie lauern

1. Lose Teppiche und Läufer

Der Klassiker unter den Sturzursachen. Teppichkanten rollen sich hoch, Läufer verrutschen auf glattem Boden. Besonders tückisch: dünne Badvorleger auf Fliesen. Entweder Sie sichern Teppiche mit rutschfesten Unterlagen — oder Sie entfernen sie ganz.

2. Kabel und Verlängerungen

Staubsaugerkabel quer durchs Wohnzimmer, das Ladekabel am Sofa, die Mehrfachsteckdose hinter dem Fernseher. Kabel auf dem Boden sind unsichtbare Fallen. Verlegen Sie sie entlang der Wände und nutzen Sie Kabelkanäle. Kurze Wege zur Steckdose sparen Kabel und Risiko.

3. Schlechte Beleuchtung

Wer nichts sieht, stolpert schneller. Dunkle Flure, der Weg vom Schlafzimmer zum Bad nachts, schlecht beleuchtete Treppenstufen — das alles erhöht das Sturzrisiko erheblich. Nachtlichter mit Bewegungsmelder kosten wenige Euro und können den entscheidenden Unterschied machen.

4. Schwellen und Türrahmen

Schon zwei Zentimeter reichen. Türschwellen zwischen Räumen, der Übergang von Parkett auf Fliesen, die Stufe zum Balkon — kleine Höhenunterschiede, große Wirkung. Schwellenrampen oder das Abfräsen von Schwellen schaffen Abhilfe. Die Pflegekasse bezuschusst solche Maßnahmen mit bis zu 4.180 Euro pro Person.

5. Treppen ohne Handlauf

Eine Treppe ohne beidseitigen Handlauf ist für ältere Menschen ein echtes Risiko. Auch fehlende Kontraststreifen auf Stufenkanten machen es schwer, einzelne Stufen zu erkennen. Besonders bei Wendeltreppenstufen unterschiedlicher Breite ist Vorsicht geboten.

6. Nasse oder glatte Böden

Fliesen im Bad, frisch gewischte Küche, der nasse Eingangsbereich bei Regen — glatte Oberflächen und Feuchtigkeit sind eine gefährliche Kombination. Anti-Rutsch-Beschichtungen und rutschfeste Matten an den richtigen Stellen helfen sofort.

Raum für Raum: Wo die größten Risiken stecken

Badezimmer: Der gefährlichste Raum im Haus. Nasse Fliesen, hohe Duschwannen, fehlende Haltegriffe. Rund 25 Prozent aller häuslichen Stürze passieren hier. Haltegriffe neben Dusche und WC, ein Duschsitz und eine bodengleiche Dusche machen das Bad deutlich sicherer.

Flur und Eingang: Oft eng, schlecht beleuchtet und vollgestellt. Schuhschränke verengen den Weg, Fußmatten verrutschen. Sorgen Sie für freie Laufwege und automatisches Licht.

Schlafzimmer: Nachts ist das Sturzrisiko besonders hoch. Der Weg zum Bad im Dunkeln, ein zu niedriges oder zu hohes Bett, Schuhe auf dem Boden neben dem Bett. Eine Bettkantenbeleuchtung mit Bewegungsmelder schafft Sicherheit.

Küche: Gegenstände in hohen Schränken zwingen zum Strecken oder Steigen auf Hocker. Wasser auf dem Boden vor der Spüle. Enge Durchgänge zwischen Arbeitsfläche und Tisch. Lagern Sie häufig benötigte Dinge in Griffhöhe um.

Gut zu wissen: Zuschuss der Pflegekasse

Ab Pflegegrad 1 haben Sie Anspruch auf bis zu 4.180 Euro Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Dazu gehören Schwellenabbau, Haltegriffe, Beleuchtung und vieles mehr. Bei mehreren pflegebedürftigen Personen im Haushalt kann der Zuschuss sogar mehrfach beantragt werden.

Einfache Maßnahmen, die sofort wirken

Nicht jede Veränderung kostet Geld oder erfordert einen Handwerker. Vieles lässt sich an einem Nachmittag erledigen:

  • Lose Teppiche entfernen oder mit doppelseitigem Klebeband fixieren
  • Kabel bündeln und an Wänden entlang führen
  • Nachtlichter mit Bewegungsmelder im Flur und Bad anbringen
  • Häufig genutzte Gegenstände in Griffhöhe umräumen
  • Rutschfeste Einlagen in der Badewanne oder Dusche platzieren
  • Feste Hausschuhe mit rutschfester Sohle tragen

Diese Maßnahmen kosten zusammen oft weniger als 100 Euro — und können einen Krankenhausaufenthalt verhindern.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Manche Stolperfallen lassen sich nicht mit Klebeband und gutem Willen beseitigen. Wenn bauliche Veränderungen nötig sind — Schwellen abtragen, eine bodengleiche Dusche einbauen, Handläufe montieren — brauchen Sie Fachleute.

Ein professioneller Wohnraumcheck deckt Gefahrenquellen auf, die man selbst übersieht. Unsere Berater vom IFBA kommen zu Ihnen nach Hause, begehen jeden Raum systematisch und erstellen einen konkreten Maßnahmenplan. Dazu gehört auch die Unterstützung beim Antrag auf den Pflegekassenzuschuss.

Denn eines ist klar: Die meisten Stürze sind vermeidbar. Oft reichen kleine Veränderungen, um große Risiken zu beseitigen. Wer sein Zuhause einmal kritisch durchgeht, macht den wichtigsten Schritt.

Praxis-Beispiel: Familie Krause aus Hamm

Herr Krause (78, Pflegegrad 2) stürzte dreimal innerhalb eines Jahres in seiner Wohnung. Nach einem Wohnraumcheck durch das IFBA wurden Schwellen entfernt, Haltegriffe im Bad montiert und eine Nachtbeleuchtung installiert. Die Pflegekasse übernahm 3.840 Euro der Kosten. Seit der Anpassung: kein einziger Sturz mehr.

Sie möchten wissen, welche Stolperfallen in Ihrer Wohnung lauern? Rufen Sie uns an unter +49 2381 976370 oder besuchen Sie uns in der Sternstraße 4, 59065 Hamm. Die Erstberatung ist kostenfrei und unverbindlich.

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IFBA Redaktion

Das Redaktionsteam des Instituts für Barrierefreiheit schreibt über Themen rund um sicheres Wohnen, Sturzprävention und Pflegehilfsmittel.

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