Herr W. aus Hamm ist 74, fit für sein Alter, geht jeden Morgen spazieren. Eines Nachts steht er auf, will zur Toilette — und rutscht auf den nassen Fliesen vor der Dusche aus. Oberschenkelhalsbruch. Drei Wochen Krankenhaus, sechs Wochen Reha. Sein Leben hat sich an diesem Abend verändert.
Geschichten wie diese hören wir in der Beratung jede Woche. Und fast immer sagen die Betroffenen denselben Satz: „Ich hätte nie gedacht, dass mir das passiert.“
Warum ist das Bad so gefährlich?
Rund 250.000 Sturzunfälle passieren jedes Jahr in deutschen Badezimmern — das sind die gemeldeten Fälle. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher. Bei Menschen über 65 ist ein Sturz im Bad der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung nach einem Haushaltsunfall.
Das Bad vereint gleich mehrere Risikofaktoren auf wenigen Quadratmetern:
- Nässe überall — Spritzwasser, Kondenswasser, tropfende Handtücher. Glatte Fliesen werden zur Eislaufbahn.
- Hohe Einstiege — eine Standard-Badewanne hat einen Rand von 50 bis 60 cm. Für jemanden mit eingeschränkter Beweglichkeit ist das wie eine kleine Mauer.
- Nichts zum Festhalten — Handtuchhalter sind keine Haltegriffe. Sie brechen ab, wenn sich jemand daran festhält. Und trotzdem tun es viele.
- Schlechte Beleuchtung — nachts tastet man sich zum WC, will niemanden wecken und schaltet kein Licht ein.
- Enge Räume — wenig Platz zum Ausweichen, harte Kanten an Waschbecken und WC, auf die man bei einem Sturz fällt.
Welche Stellen im Bad sind am kritischsten?
Drei Bereiche stechen heraus — und genau dort setzen die meisten Maßnahmen an:
1. Dusche und Badewanne
Der Ein- und Ausstieg ist der gefährlichste Moment. Man steht auf einem Bein, der andere Fuß ist nass, der Untergrund glatt. Ohne Haltegriff wird das jedes Mal zum Balanceakt.
2. Der Bereich vor dem Waschbecken
Hier steht man oft länger — beim Zähneputzen, Rasieren, Schminken. Wer Kreislaufprobleme hat oder Medikamente nimmt, die Schwindel verursachen, kann hier ins Schwanken kommen. Und dann ist da nichts, woran man sich festhalten könnte.
3. Der Weg zum WC (nachts)
Nachts ist das Sturzrisiko am höchsten. Die Augen sind noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt, die Muskeln sind vom Schlafen steif, der Kreislauf braucht einen Moment.
Gut zu wissen
Über 60 % aller Sturzunfälle bei Senioren passieren in der eigenen Wohnung — und das Badezimmer ist dabei mit Abstand der häufigste Unfallort. Die meisten dieser Stürze wären durch einfache bauliche Maßnahmen vermeidbar gewesen.
Was macht ein Bad wirklich sicherer?
Nicht jede Maßnahme muss teuer sein. Manche kosten unter 50 Euro und bringen trotzdem viel. Hier eine Übersicht — sortiert von einfach bis aufwendig:
Sofort umsetzbar (unter 100 Euro)
- Rutschfeste Matten — in der Dusche, vor der Dusche, vor dem WC. Klingt banal, verhindert aber nachweislich die meisten Ausrutscher. Wichtig: Matten mit Saugnäpfen, keine losen Badvorleger.
- Nachtlicht mit Bewegungsmelder — beleuchtet den Weg zum Bad automatisch, ohne dass man einen Schalter suchen muss. Ab 15 Euro erhältlich.
- Duschhocker — wer beim Duschen sitzt, kann nicht stürzen. Ein einfacher, stabiler Duschhocker kostet zwischen 30 und 80 Euro.
Mit Montage (100 bis 500 Euro)
- Haltegriffe an Dusche, Wanne und WC — professionell montiert und an der Wand verankert. Ein einzelner Haltegriff mit Montage kostet zwischen 80 und 200 Euro. Drei Griffe an den richtigen Stellen verändern das Sicherheitsgefühl komplett.
- Stützklappgriffe am WC — helfen beim Aufstehen und Hinsetzen. Kosten mit Montage ca. 200 bis 400 Euro.
- Erhöhter Toilettensitz — reduziert die Sitzhöhe, die überwunden werden muss. Einfache Aufsätze ab 30 Euro, fest montiert ab 150 Euro.
Größere Umbauten (1.000 bis 6.000 Euro)
- Bodengleiche Dusche statt Badewanne — der Klassiker unter den Badumbauten für Senioren. Kein Einstieg mehr, kein Stolpern. Kosten: je nach Bad zwischen 3.000 und 6.000 Euro.
- Rutschfester Bodenbelag — Fliesen mit Rutschhemmung R10 oder höher ersetzen glatte Fliesen. Kosten für ein durchschnittliches Bad: 1.500 bis 3.000 Euro.
- Unterfahrbares Waschbecken — nötig, wenn jemand im Rollstuhl sitzt. Kosten mit Montage: 800 bis 1.500 Euro.
Wer bezahlt das?
Hier die gute Nachricht: Bei einem anerkannten Pflegegrad (1 bis 5) übernimmt die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme als Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Das reicht für die meisten Badumbauten aus — oder deckt zumindest einen großen Teil der Kosten.
Frau S. aus Unna (78, Pflegegrad 1) hat sich Haltegriffe im Bad und einen Duschklappsitz einbauen lassen. Gesamtkosten: 1.850 Euro. Die Pflegekasse hat alles übernommen, weil der Betrag unter 4.180 Euro lag. Sie hat keinen Cent selbst bezahlt.
Auch ohne Pflegegrad gibt es Möglichkeiten: Die KfW fördert barrierefreie Umbauten über das Programm „Altersgerecht Umbauen“ mit zinsgünstigen Krediten oder Zuschüssen. Und manche Kommunen haben eigene Förderprogramme.
Gut zu wissen
Den Antrag bei der Pflegekasse müssen Sie vor dem Umbau stellen. Nachträglich eingereichte Anträge werden in der Regel abgelehnt. Holen Sie sich vorher einen Kostenvoranschlag und reichen Sie ihn zusammen mit dem Antrag ein.
Wo fängt man an?
Unser Rat aus hunderten Beratungen: Fangen Sie nicht mit dem größten Umbau an. Fangen Sie mit den drei Maßnahmen an, die am schnellsten wirken.
- Rutschfeste Matte in die Dusche legen — heute noch. Kostet 20 Euro, wirkt sofort.
- Nachtlicht installieren — auf dem Weg vom Schlafzimmer zum Bad. Dauert fünf Minuten.
- Haltegriff montieren lassen — neben der Dusche oder der Badewanne. Einen einzigen Griff. Das verändert schon viel.
Alles andere — bodengleiche Dusche, neuer Bodenbelag, WC-Umbau — können Sie in Ruhe planen. Aber diese drei Dinge? Die sollten nächste Woche erledigt sein.
Lassen Sie sich beraten — bevor etwas passiert
Die meisten Menschen kommen erst zu uns, wenn schon ein Sturz passiert ist. Das muss nicht sein. Eine Beratung dauert eine Stunde. Wir schauen uns Ihr Bad an, identifizieren die Risikostellen und sagen Ihnen, welche Maßnahmen sinnvoll sind — und was die Pflegekasse davon übernimmt.
Telefon: 02381 976370. Oder besuchen Sie uns in der Sternstraße 4, 59065 Hamm. Wir sind für Sie da — am besten, bevor es nötig wird.