Ratgeber

Bodengleiche Dusche nachrüsten

Kosten, Zuschüsse und Ablauf — was Sie vor dem Umbau wissen sollten.

IR
IFBA Redaktion·17. März 2026·Lesezeit: ca. 7 Minuten

Frau L. aus Hamm rief uns an einem Montagmorgen an. Ihr Mann (81) war am Wochenende in der Badewanne ausgerutscht. Nichts gebrochen, aber der Schreck saß tief. Ihre Frage: „Können wir die Wanne rausreißen und eine ebenerdige Dusche einbauen lassen? Und zahlt das jemand?“

Die kurze Antwort: Ja, das geht. Und ja, die Pflegekasse beteiligt sich — mit bis zu 4.180 €. Aber zwischen Idee und fertiger Dusche liegen ein paar Schritte, die man in der richtigen Reihenfolge gehen sollte.

Warum die bodengleiche Dusche die Nummer 1 ist

Von allen wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, die wir in unserer Beratung begleiten, steht der Duschumbau mit Abstand auf Platz eins. Das hat einen simplen Grund: Das Badezimmer ist der Raum mit dem höchsten Unfallrisiko. Nasse Fliesen, hohe Badewannenkanten, enge Bewegungsflächen — das wird mit zunehmendem Alter oder nach einer OP schnell zur Gefahr.

Eine bodengleiche Dusche beseitigt die Einstiegshürde komplett. Kein Anheben der Beine über eine Kante, kein Festhalten an wackeligen Duschvorhangstangen. Stattdessen: ebener Zugang, optional mit Klappsitz und Haltegriffen. Das klingt nach Krankenhaus? Sieht heute ganz anders aus. Moderne ebenerdige Duschen sind optisch kaum von einer Design-Dusche zu unterscheiden.

Was kostet eine bodengleiche Dusche?

Die ehrliche Antwort: Das hängt davon ab, was Sie haben und was Sie wollen. Aber wir können Ihnen Orientierungswerte geben, die wir aus hunderten Projekten kennen.

Ein Standardumbau — Badewanne raus, bodengleiche Dusche rein, Fliesen, Ablauf, Armatur — kostet in der Regel zwischen 3.000 und 6.000 €. Wo genau Sie in dieser Spanne landen, hängt von drei Faktoren ab:

  • Ausgangssituation: Steht eine Badewanne drin, die raus muss? Oder gibt es schon eine Dusche mit hoher Tasse? Badewannen-Entfernung ist aufwändiger.
  • Leitungsführung: Liegt der Abfluss günstig oder muss er verlegt werden? Bei Altbauten kann das die Kosten um 500 bis 1.000 € erhöhen.
  • Ausstattung: Ein einfacher Duschbereich mit Standardfliesen kostet weniger als eine großzügige Walk-in-Dusche mit Glasabtrennung und Regenwaldbrause.

Der Zuschuss: Bis zu 4.180 € von der Pflegekasse

Wenn ein Pflegegrad vorliegt (Pflegegrad 1 bis 5 reicht), zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 € pro Maßnahme als Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Bei einem Umbau für 5.000 € bleiben also nur rund 820 € Eigenanteil.

Wichtig: Der Antrag muss vor dem Umbau bei der Pflegekasse gestellt werden. Wer erst baut und dann fragt, geht leer aus. Wir erleben das leider regelmäßig — deshalb betonen wir es hier nochmal deutlich.

Für den Antrag brauchen Sie einen Kostenvoranschlag vom Handwerksbetrieb und den Nachweis des Pflegegrads. Manche Pflegekassen wollen zusätzlich eine Begründung, warum die Maßnahme nötig ist. Wir helfen dabei, das so zu formulieren, dass es passt.

Gut zu wissen:

Der Zuschuss von 4.180 € gilt pro Maßnahme, nicht pro Jahr. Wenn sich die Pflegesituation später verschlechtert und der Pflegegrad steigt, kann ein neuer Antrag für weitere Anpassungen gestellt werden — mit erneutem Zuschuss bis zu 4.180 €.

Technische Anforderungen — was muss sein?

Nicht jede ebenerdige Dusche ist automatisch barrierefrei. Damit die Pflegekasse den Zuschuss bewilligt und die Dusche ihren Zweck erfüllt, sollten ein paar Punkte stimmen:

  • Schwellenloser Zugang: Der Übergang zum Duschbereich sollte maximal 2 cm hoch sein, besser komplett eben.
  • Rutschhemmender Bodenbelag: Mindestens Bewertungsgruppe B nach DIN 51097. Klingt technisch — Ihr Fliesenleger weiß, was gemeint ist.
  • Ausreichende Fläche: Für Rollstuhlfahrer empfehlen sich mindestens 120 x 120 cm. Wer mit Rollator duscht, braucht eher 150 x 150 cm.
  • Haltegriffe: Mindestens ein Haltegriff in Greifhöhe, idealerweise an zwei Seiten. Kosten: 50 bis 150 € pro Stück inklusive Montage.

Optional, aber empfehlenswert: ein Klappsitz, eine Thermostat-Armatur (Verbrühschutz) und eine Handbrause an einer höhenverstellbaren Stange.

Wie lange dauert der Umbau?

Den reinen Umbau schafft ein gutes Handwerkerteam in 3 bis 5 Arbeitstagen. Rechnen Sie mit einem Tag für Abriss und Entsorgung, ein bis zwei Tagen für Rohinstallation und Fliesenarbeiten, und ein bis zwei weiteren Tagen für Montage und Feinschliff.

Was deutlich länger dauert, ist der Vorlauf: Handwerkertermine haben aktuell oft 4 bis 8 Wochen Wartezeit. Dazu kommt die Bearbeitungszeit der Pflegekasse für den Antrag — meist 2 bis 4 Wochen. Planen Sie also insgesamt mit 6 bis 12 Wochen vom ersten Anruf bis zur fertigen Dusche.

Vorher/Nachher: Frau und Herr T. aus Hamm

Vorher: Badewanne mit hohem Einstieg, keine Haltegriffe, glatte Bodenfliesen. Herr T. (76, Pflegegrad 2) konnte nur noch mit Hilfe seiner Frau duschen. Sie musste ihn stützen — bei einem Gewicht, das ihr eigentlich zu viel war.

Nachher: Bodengleiche Dusche mit Klappsitz, zwei Haltegriffe, rutschfeste Fliesen, Thermostat-Armatur. Herr T. duscht jetzt allein. Umbaudauer: vier Tage. Kosten: 4.800 €. Eigenanteil nach Abzug des Pflegekassen-Zuschusses: 620 €.

Seine Frau sagte uns hinterher: „Wir hätten das drei Jahre früher machen sollen.“ Den Satz hören wir oft.

Mietwohnung — darf ich überhaupt umbauen?

Ja, aber Sie brauchen die Zustimmung des Vermieters. Bei Maßnahmen, die die Barrierefreiheit verbessern, darf der Vermieter laut Gesetz nicht ohne triftigen Grund ablehnen. In der Praxis funktioniert das fast immer, besonders wenn Sie dem Vermieter erklären, dass die Kosten nicht bei ihm liegen.

Manche Vermieter verlangen, dass beim Auszug der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird. Das ist ihr Recht. In der Praxis bleibt die ebenerdige Dusche aber meist drin — sie ist eine Aufwertung der Wohnung.

Typische Stolpersteine beim Duschumbau

Drei Dinge gehen erfahrungsgemäß schief, wenn man sie nicht von Anfang an bedenkt:

  1. Gefälle nicht ausreichend. Eine bodengleiche Dusche braucht ein präzises Gefälle zum Ablauf (ca. 1-2 %). Wird das falsch geplant, steht das Wasser. Das ist ein Handwerkerfehler, kein Designproblem.
  2. Abdichtung mangelhaft. Unter den Fliesen muss eine Verbundabdichtung liegen. Fehlt die, dringt Wasser in die Bausubstanz. Achten Sie darauf, dass der Betrieb nach DIN 18534 arbeitet.
  3. Tür schlägt in die Dusche. Wenn die Badtür nach innen öffnet und im Weg ist, hilft oft schon ein Umbau auf eine Schiebetür. Kostet wenig, bringt viel Bewegungsfläche.

So starten Sie

Rufen Sie uns an unter 02381 976370. Wir besprechen Ihre Situation, prüfen die Zuschussmöglichkeiten und vermitteln bei Bedarf geprüfte Handwerksbetriebe aus der Region Hamm. Vom Antrag bis zur fertigen Dusche begleiten wir den gesamten Prozess. Der erste Anruf kostet Sie nichts — außer fünf Minuten Zeit.

IR

IFBA Redaktion

Institut für Barrierefreiheit, Hamm

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