Ratgeber

Barrierefreier Hauseingang — Rampen, Schwellen und Türen

Wie Sie Stufen, Schwellen und schmale Türen am Hauseingang beseitigen und welche Zuschüsse Ihnen zustehen.

IF

IFBA Redaktion

Institut für Barrierefreiheit

||6 Min. Lesezeit

Frau Berger ist 74 und lebt seit 38 Jahren in ihrem Einfamilienhaus in Hamm. Nach einer Hüft-OP im vergangenen Herbst kommt sie mit Rollator zurück nach Hause. Und steht vor einem Problem, das sie vorher nie bemerkt hat: Drei Stufen vor der Haustür. Keine Geländer. Und die Tür ist mit 78 Zentimetern zu schmal für den Rollator.

So wie Frau Berger geht es vielen. Der Hauseingang, den man jahrzehntelang ohne Nachdenken benutzt hat, wird plötzlich zum Hindernis. Die gute Nachricht: Fast jedes Eingangsproblem lässt sich lösen. Und die Pflegekasse hilft finanziell.

Die häufigsten Barrieren am Hauseingang

In unserer Beratungspraxis sehen wir immer wieder dieselben Problemstellen. Drei davon tauchen in fast jeder Begehung auf:

Stufen und Treppen

Die meisten Hauseingänge haben mindestens eine Stufe — oft sind es zwei bis vier. Für Menschen mit Gehbehinderung, Rollator oder Rollstuhl wird schon eine einzelne Stufe von 15 Zentimetern zum unüberwindbaren Hindernis. Besonders tückisch: Stufen ohne Handlauf und ohne rutschfeste Oberfläche.

Schmale Türen

Standardtüren in älteren Häusern sind oft nur 75 bis 80 Zentimeter breit. Ein Rollstuhl braucht mindestens 90 Zentimeter lichte Durchgangsbreite, mit einem Elektrorollstuhl sollten es 100 Zentimeter sein. Aber auch mit Rollator wird es bei unter 80 Zentimetern eng.

Hohe Türschwellen

Ältere Haustüren haben häufig Schwellen von 3 bis 5 Zentimetern Höhe. Was nach wenig klingt, ist mit einem Rollstuhl kaum zu überwinden. Selbst mit Rollator bergen hohe Schwellen ein Stolperrisiko — besonders wenn die Kraft in den Beinen nachlässt.

Welche Lösungen gibt es?

Rampen: Der Klassiker gegen Stufen

Eine Rampe ist die naheliegendste Lösung, um Stufen zu überbrücken. Dabei gibt es verschiedene Varianten:

  • Mobile Rampen aus Aluminium lassen sich bei Bedarf auslegen und wieder entfernen. Geeignet für eine bis zwei Stufen. Kosten: ab etwa 200 Euro für einfache Modelle, bis zu 800 Euro für breitere oder längere Ausführungen.
  • Fest montierte Rampen werden dauerhaft installiert und bieten mehr Komfort und Sicherheit. Material und Montage kosten zwischen 1.500 und 4.000 Euro, je nach Länge und Steigung.
  • Modulare Rampensysteme bestehen aus einzelnen Elementen, die sich flexibel zusammensetzen lassen. Sie sind eine gute Wahl, wenn sich die Anforderungen ändern könnten.

Wichtig: Eine Rampe darf nicht zu steil sein. Die Norm schreibt ein Gefälle von maximal 6 Prozent vor — das bedeutet: Auf 100 Zentimeter Länge darf die Rampe nur 6 Zentimeter ansteigen. Für drei Stufen mit insgesamt 45 Zentimeter Höhe brauchen Sie also eine Rampe von mindestens 7,50 Metern Länge.

Schwellenabbau und Schwellenrampen

Für Türschwellen gibt es einfachere Lösungen. Kleine Schwellenrampen aus Gummi oder Aluminium kosten zwischen 30 und 80 Euro und lassen sich oft ohne Handwerker anbringen. Bei höheren Schwellen kann die Schwelle auch abgefräst oder durch eine flachere ersetzt werden — das kostet zwischen 200 und 500 Euro.

Türverbreiterung

Wenn die Haustür zu schmal ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird der bestehende Türrahmen erweitert, oder die komplette Tür wird durch eine breitere ersetzt. Eine Türverbreiterung inklusive neuer Zarge und Tür kostet in der Regel zwischen 1.500 und 3.500 Euro. Bei tragenden Wänden muss ein Statiker hinzugezogen werden — das erhöht die Kosten, ist aber zwingend nötig.

Eine günstigere Alternative: Sogenannte Schwenktürantriebe öffnen die bestehende Tür automatisch per Knopfdruck. Wenn die Tür selbst breit genug ist, aber das manuelle Öffnen das Problem darstellt, kann das bereits die Lösung sein. Kosten: ab etwa 800 Euro inklusive Einbau.

Gut zu wissen

Die Pflegekasse bezuschusst wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme — ab Pflegegrad 1. Rampen, Türverbreiterungen und Schwellenabbau fallen alle in diese Kategorie. Leben mehrere Pflegebedürftige im selben Haushalt, kann der Zuschuss sogar bis zu 16.720 Euro betragen. Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme gestellt werden.

Was müssen Mieter beachten?

Wer zur Miete wohnt, braucht für bauliche Veränderungen die Zustimmung des Vermieters. Aber: Seit 2002 haben Mieter einen gesetzlichen Anspruch auf behindertengerechte Umbauten (§ 554a BGB). Der Vermieter darf die Zustimmung nur verweigern, wenn seine Interessen die des Mieters überwiegen — in der Praxis kommt das bei Barrierefreiheitsmaßnahmen selten vor.

Allerdings kann der Vermieter verlangen, dass der Mieter die Wohnung beim Auszug in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Bei einer fest montierten Rampe kann das relevant werden. Mobile Rampen oder Schwellenrampen sind deshalb für Mietwohnungen oft die unkompliziertere Wahl.

Praxisbeispiel: Familie Nowak aus Hamm

Herr Nowak, 81 Jahre alt, Pflegegrad 2, nutzt seit einem Schlaganfall einen Rollator. Sein Reihenhaus hat zwei Stufen vor der Haustür (zusammen 30 Zentimeter) und eine 4 Zentimeter hohe Schwelle. Die Haustür ist 82 Zentimeter breit — knapp, aber mit dem Rollator gerade noch machbar.

Die IFBA hat folgende Maßnahmen empfohlen und begleitet:

  • Mobile Aluminiumrampe für den Eingangsbereich: 650 Euro
  • Schwellenrampe aus Gummi für die Haustür: 45 Euro
  • Handlauf an der Hauswand neben dem Eingang: 280 Euro

Gesamtkosten: 975 Euro. Die Pflegekasse hat den vollen Betrag übernommen, weil er unter der Grenze von 4.180 Euro lag. Von der Beratung bis zur fertigen Montage vergingen sechs Wochen.

So gehen Sie vor

  1. Situation prüfen: Welche Barrieren gibt es konkret? Stufen, Schwellen, Türbreiten — messen Sie nach.
  2. Beratung einholen: Die IFBA berät Sie kostenlos vor Ort und empfiehlt passende Lösungen für Ihre Situation.
  3. Antrag stellen: Vor Beginn der Maßnahme stellen Sie den Antrag bei der Pflegekasse. Wir helfen Ihnen beim Ausfüllen.
  4. Umsetzung: Ein Fachbetrieb führt die Arbeiten durch. Sie reichen die Rechnung bei der Pflegekasse ein.

Haben Sie Fragen zu Ihrem Hauseingang? Möchten Sie wissen, welche Lösung für Ihre Situation die beste ist? Rufen Sie uns an unter +49 2381 976370 oder besuchen Sie uns in der Sternstraße 4 in 59065 Hamm. Wir beraten Sie gerne — kostenlos und unverbindlich.

IF

Über die IFBA Redaktion

Das Redaktionsteam des Instituts für Barrierefreiheit besteht aus Fachberatern für Wohnraumanpassung und barrierefreies Wohnen. Unsere Artikel basieren auf jahrelanger Beratungserfahrung und dem täglichen Austausch mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen.

Weiterführende Artikel