Ratgeber

Türverbreiterung für Rollstuhl: sinnvolle Maße, typische Kosten und Zuschüsse

Welche Türbreite für Rollstuhl sinnvoll ist, was der Umbau kostet und welche Zuschüsse der Pflegekasse möglich sind.

Türverbreiterung für Rollstuhl: sinnvolle Maße, typische Kosten und Zuschüsse
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IFBA Redaktion

Institut für Barrierefreiheit

||7 Min. Lesezeit

# Türverbreiterung für Rollstuhl: sinnvolle Maße, typische Kosten und Zuschüsse

Frau K. aus Bochum hatte ein scheinbar kleines Problem: Ihr Mann kam nach einem Schlaganfall mit dem Rollstuhl zwar durch den Flur, aber nicht vernünftig ins Bad. Die Tür war nicht extrem schmal, auf dem Papier jedenfalls. In der Praxis blieb er mit den Händen an der Zarge hängen, die Tür öffnete nach innen, und für die Tochter war kaum Platz zum Helfen.

Genau an solchen Stellen zeigt sich: Eine Türverbreiterung für Rollstuhl ist selten nur eine Baufrage. Entscheidend ist, ob der Alltag danach wirklich leichter, sicherer und pflegbarer wird.

Muss wirklich jede schmale Tür verbreitert werden?

Nein. Da lohnt sich genauer hinschauen.

Nicht jede Tür in der Wohnung muss rollstuhlgerecht werden. Wichtiger sind die Wege, die täglich gebraucht werden: Wohnungseingang, Bad, Schlafzimmer, manchmal Küche oder Balkon. Eine selten genutzte Abstellkammer hat meist keine Priorität.

Entscheidend ist auch nicht das Türblattmaß, sondern die lichte Durchgangsbreite. Also der tatsächlich nutzbare Platz bei geöffneter Tür. Eine Tür mit 80 cm Blattbreite kann in der Praxis deutlich weniger Durchgang bieten, wenn Zarge, Türblatt, Drücker oder Türstopper stören.

Auch die Art der Nutzung macht einen Unterschied. Wer nur gelegentlich mit einem Rollstuhl geschoben wird, braucht andere Lösungen als jemand mit Aktivrollstuhl, Pflegerollstuhl oder Elektrorollstuhl. Ein Rollator kommt oft mit weniger Breite zurecht, braucht aber ebenfalls Platz zum sicheren Rangieren.

Typische Engstellen aus Beratungen sind Badezimmertüren mit 60 bis 70 cm lichter Breite, Altbautüren, Schwellen, enge Flure und ungünstige Türanschläge. Manchmal hilft schon eine kleinere Maßnahme: Türblatt aushängen, andere Bänder einsetzen, Türanschlag wechseln, eine Schiebetür prüfen oder die Zarge entfernen.

Welche Türbreite braucht ein Rollstuhl im Alltag?

Als praxistaugliche Orientierung gelten mindestens etwa 80 cm lichte Durchgangsbreite. Besser sind 90 cm, vor allem bei häufig genutzten Türen wie Bad, Schlafzimmer oder Wohnungseingang.

Die DIN 18040-2 ist die zentrale Planungsnorm für barrierefreie Wohnungen. Sie betrachtet nicht nur die Breite der Tür, sondern auch Bedienbarkeit, Bewegungsflächen und die Frage, ob Türen leicht zu öffnen und zu schließen sind.

Warum reichen die reinen Rollstuhlmaße nicht? Weil Hände am Greifreifen Platz brauchen. Fußstützen stehen vor. Angehörige müssen manchmal seitlich mitschieben oder beim Transfer helfen. Und wenn der Flur eng ist, wird selbst eine nominell ausreichende Tür schnell zur Fummelei.

Bei Elektrorollstühlen und Pflegerollstühlen sollte großzügiger geplant werden. Diese Hilfsmittel brauchen mehr Rangierfläche, besonders im Bad oder am Bett.

Richtig messen: So prüfen Sie die Tür

Gemessen wird die lichte Durchgangsbreite bei geöffneter Tür, am besten bei etwa 90 Grad. Messen Sie die engste nutzbare Stelle zwischen Zarge und Türblatt beziehungsweise zwischen allen Bauteilen, die im Weg sind.

Achten Sie auch auf:

  • Türdrücker und Türstopper
  • Heizkörper, Möbel und Sockelleisten
  • Wandvorsprünge im Flur
  • Schwellen oder Höhenunterschiede
  • Platz vor und hinter der Tür

Machen Sie Fotos und notieren Sie Maße. Das hilft der Pflegekasse, der Wohnraumberatung und dem Handwerksbetrieb. Noch besser: Fahren Sie den Weg mit dem vorhandenen Rollstuhl oder Rollator mehrfach ab, einmal allein und einmal mit Begleitperson.

Welche baulichen Lösungen gibt es?

Nicht immer muss direkt die Wand aufgestemmt werden.

Eine einfache Lösung kann sein, das Türblatt auszuhängen oder eine schlankere Zarge zu prüfen. Das passt aber nur, wenn Privatsphäre, Gerüche und Schallschutz keine große Rolle spielen. Beim Bad ist das meist keine Dauerlösung.

Ein Anschlagwechsel kann viel bringen, wenn die Tür genau in den Bewegungsraum schlägt. Gerade im kleinen Badezimmer ist eine nach innen öffnende Tür problematisch. Stürzt jemand hinter der Tür, kann sie blockieren.

Eine Schiebetür ist oft sinnvoll bei engen Fluren oder kleinen Bädern. Dabei muss geprüft werden, ob die Wand genug Platz bietet und ob Griffhöhe und Bedienkraft passen. Eine Schiebetür, die schwer läuft oder schlecht greifbar ist, löst das Problem nicht.

Die klassische Türverbreiterung bedeutet: Zarge raus, Wandöffnung vergrößern, neue Zarge und Tür einsetzen. Dazu kommen oft Putz-, Trockenbau-, Boden-, Silikon- und Malerarbeiten. Bei tragenden Wänden braucht es eine fachliche Prüfung. In Mietwohnungen muss der Vermieter vorher schriftlich zustimmen.

Ein Ehepaar aus dem Münsterland wollte zuerst nur die Badezimmertür verbreitern lassen. Vor Ort zeigte sich: Ohne Haltegriffe, schwellenarmen Zugang und mehr Platz am Waschtisch wäre der Nutzen begrenzt geblieben. Die Tür wurde deshalb zusammen mit dem Transferweg zur Dusche geplant.

Was kostet eine Türverbreiterung?

Die Kosten hängen stark vom Aufwand ab. Wandart, Zarge, Türtyp, gewünschte Breite, Bodenanschluss, Fliesen, Leitungen und Malerarbeiten spielen eine große Rolle.

Kleine Anpassungen wie Türblatt entfernen, Bänder wechseln oder Zarge optimieren sind deutlich günstiger. Eine echte bauliche Türverbreiterung inklusive neuer Tür und Zarge liegt je nach Situation schnell bei mehreren hundert bis mehreren tausend Euro.

Teurer wird es bei:

  • tragenden Wänden
  • gefliesten Badezimmern
  • Strom- oder Wasserleitungen in der Wand
  • Maßanfertigungen
  • mehreren Türen
  • notwendigen Boden- und Malerarbeiten

Holen Sie mindestens zwei Angebote ein. Achten Sie darauf, dass Nebenarbeiten enthalten sind: Putz, Bodenanschluss, Fliesenarbeiten, Silikonfugen, Entsorgung und Anfahrt. Sonst wirkt ein Angebot günstig, wird am Ende aber deutlich teurer.

Und bitte nicht isoliert planen. Eine 90-cm-Tür bringt wenig, wenn dahinter kein Platz zum Drehen, Umsetzen oder Pflegen bleibt.

Zuschüsse: Was zahlt die Pflegekasse?

Gut zu wissen

Bei Pflegegrad 1 bis 5 kann die Pflegekasse wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach § 40 SGB XI bezuschussen. Seit 2025 sind bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme möglich, wenn dadurch die häusliche Pflege ermöglicht, deutlich erleichtert oder eine selbstständigere Lebensführung unterstützt wird.

Der Antrag sollte vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Legen Sie Kostenvoranschlag, Fotos, Maße und eine kurze Begründung bei. Schreiben Sie nicht nur „Tür zu schmal“, sondern konkret: „Der Badzugang ist mit Rollstuhl nicht möglich, die Pflege beim Waschen und Toilettengang wird verhindert.“

Wenn mehrere pflegebedürftige Personen im Haushalt leben, kann sich der Zuschuss unter bestimmten Voraussetzungen erhöhen. Zusätzlich können KfW-Programme für barrierereduzierende Maßnahmen infrage kommen, je nach aktueller Verfügbarkeit. Auch Länder, Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften, Reha-Träger, Berufsgenossenschaften oder Eingliederungshilfe können je nach Ursache zuständig sein.

In der Mietwohnung ersetzt ein Zuschuss aber nicht die Zustimmung des Vermieters. Klären Sie Rückbaupflicht, Ausführung durch Fachbetrieb und Kostentragung schriftlich.

Beispiel: Badzugang im Altbau

Ein Vater mit Pflegegrad 3 nutzte nach einem Sturz einen Standardrollstuhl. Die Badezimmertür im Altbau hatte rund 68 cm lichte Breite, der Flur war eng, die Tür öffnete nach innen.

Das Problem war nicht nur das Durchkommen. Die Angehörigen konnten beim Transfer kaum unterstützen. Im Notfall wäre die Tür blockiert gewesen.

Geprüft wurde eine Öffnung auf etwa 90 cm, dazu eine nach außen öffnende Tür oder Schiebetür. Gleichzeitig kamen Haltegriffe, rutschfeste Matten, eine bodengleiche Dusche und weitere Sturzpräventionsmaßnahmen auf den Plan. Der Antrag bei der Pflegekasse wurde mit Fotos, Kostenvoranschlag und der Begründung „Sicherstellung der häuslichen Pflege“ eingereicht.

Kurze Checkliste vor dem Umbau

  • Welche Räume müssen täglich erreichbar sein?
  • Wie breit ist die lichte Durchgangsbreite aktuell?
  • Welcher Rollstuhl wird genutzt oder ist absehbar nötig?
  • Gibt es genug Platz vor und hinter der Tür?
  • Ist die Wand tragend oder verlaufen Leitungen darin?
  • Liegt in der Mietwohnung die schriftliche Zustimmung vor?
  • Wurde der Zuschuss vor Baubeginn beantragt?
  • Enthält das Angebot auch Nebenarbeiten?
  • Hat eine Wohnraumberatung oder ein erfahrener Fachbetrieb draufgeschaut?

Häufige Fragen zur Türverbreiterung für Rollstuhl

Reichen 80 cm Türbreite?

Oft ja, besonders bei Standardrollstühlen und geraden Wegen. Bei engen Fluren, Elektrorollstuhl oder Pflegerollstuhl sind 90 cm meist alltagstauglicher.

Schiebetür oder Tür verbreitern?

Das hängt vom Raum ab. In kleinen Bädern ist eine Schiebetür oft sehr praktisch. Sie muss aber leicht laufen, gut greifbar sein und zur Wand passen.

Zahlt die Pflegekasse alles?

Nicht immer. Der Zuschuss liegt bei bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme. Liegen die Kosten höher, bleibt ein Eigenanteil.

Wie lange dauern die Arbeiten?

Kleine Anpassungen gehen manchmal an einem Tag. Eine bauliche Verbreiterung mit Putz, Boden und Malerarbeiten dauert eher mehrere Tage.

Wenn Sie unsicher sind, welche Tür wirklich Priorität hat: Rufen Sie an und schildern Sie Ihre Situation. In 15 Minuten lässt sich oft einschätzen, ob eine Türverbreiterung sinnvoll ist, welche Maße realistisch sind und welcher Zuschuss infrage kommt.

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Über die IFBA Redaktion

Das Redaktionsteam des Instituts für Barrierefreiheit besteht aus Fachberatern für Wohnraumanpassung und barrierefreies Wohnen. Unsere Artikel basieren auf jahrelanger Beratungserfahrung und dem täglichen Austausch mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen.